Kontext?

Hintergrund zu meiner Fixierung auf „Kontext“: Ich bin Autor und Co-Autor von 80-90 wissenschaftlichen Publikationen, habe nie etwas „entdeckt“ und werde noch immer zitiert. 20 Jahre nach dem letzten Paper. Wie kann das sein?

Meine erste Publikation hat „alte“ Mathematik nach 80 Jahren auf ein neues Problem angewandt. Ich fand es nicht wert, das zu publizieren — war doch alles in alten Büchern zu lesen. Zuerst. Dann habe ich gemerkt — oder besser wurde von meinem Chef überzeugt –, dass wir es trotzdem aufschreiben. Das Thema (Einfluß von Rauschspektren in Messgrößen auf digital verarbeitete 2D-Information – ja, etwas auf der skurrilen Seite, aber von einfach hat keiner etwas gesagt) wurde nicht nur in den Jahren 1910-20, sondern auch noch einmal 1950-60 publiziert. Gut, dann eben nochmal etwa 1990. Was war da los? Die Mathematik war immer die Selbe! Nichts neues. Nun, der Kontext hat sich von Elektronenmikroskopie über Spionagesatelliten (oder besser die Daten, die diese erzeugt haben) zu Rastertunnelmikroskopie gewandelt. Alles das Gleiche und auch wieder nicht. Bilderfassung zeilenweise. Old School. Das Ganze ist ein wenig wie der Scheinriese von Michael Ende, nur in der Physik und gepaart mit fraktaler Geometrie. Das Thema mit dem Kontext ist dann für mich die nächsten fast 20 Jahre nicht anders geworden. In anderen Zusammenhängen. Ich bin gut in freier Assoziation. Und für die Freunde des Viable System Model: ja, das baut auch auf Selbstähnlichkeit auf. Alles das Gleiche, nur anders.

Damit habe ich vermutlich einen Nerd-Preis im Consulting Business gewonnen. Keine Angst. Den Rest behalte ich für mich.

Ist das jetzt alter Wein in neuen Schläuchen? Sicher nicht. Eher so etwas wie „Standing on the Shoulders of Giants.“ Newton hat das so formuliert. Gut, da hat ein ganz großer auf den Schultern gestanden, aber für die kleinen Normalsterblichen funktioniert das auch. Wenn die Riesen groß genug sind, reichen offene Augen um etwas neues oder zumindest erhellendes zu finden. Für mich ist das gut genug. Newton war im übrigen wohl nicht der Erste mit dem Konzept.

Was genau war „agile“? Lean für Software. Das erinnern die Alten. Agile ist tot. Oder auch nicht. Lean lebt noch immer. Ich kenne beides. Benutze beides und bin nicht wirklich Berater. Zeit um auf die Schultern zu klettern und den Horizont zu erweitern. Mein „agile“ Einstieg war im übrigen etwa 1995. In der Halbleiterforschung und ganz ohne SW-Entwicklung. Die Zeit war einfach so.

Nach oben scrollen